Let's Make Money von Erwin Wagenhofer © Allegro Film
Internationale Anerkennung und eine große Zahl an Auszeichnungen erhalten österreichische Filmproduktionen auch im zweiten großen Filmgenre, dem Dokumentarfilm. Mit der konsequenten Entwicklung einer eigenen filmischen Handschrift trugen die heimischen Dokumentarfilmer einen großen Teil dazu bei, die Qualitätsmarke ‚Austrian Film’ entstehen zu lassen. Im Jahr 2006, jenem Jahr, in dem die Zahl der Teilnahmen österreichischer Produktionen regelrecht in die Höhe schnellte, nämlich um 47 Prozent auf 421 (im Vergleich 2005: 287), kamen die beiden Dokumentarfilme WORKINGMAN’S DEATH (Regie: Michael Glawogger) und UNSER TÄGLICH BROT (Regie: Nikolaus Geyrhalter) auf jeweils über 60 Festivaleinladungen. WORKINGMAN’S DEATH, die bildgewaltige Hommage an die weltweit letzten Stätten körperlicher Arbeit, gewann unter anderen den „Golden Gate Award Doc Feature“ beim Internationalen Filmfestival in San Francisco. UNSER TÄGLICH BROT, die ausschließlich mit Totalen-Bildeinstellungen gestaltete Dokumentation über die Praxis industrieller Lebensmittelproduktion wurde unter anderem für den Europäischen Filmpreis nominiert.
Das internationale Renommee betreffend zählte auch für den Dokumentarfilm eine Oscar-Nominierung zum Höhepunkt der letzten Jahre. Die Enthüllung globaler Zusammenhänge zwischen Afrika und den westlichen Industrieländern brachte 2006 Regisseur Hubert Sauper für DARWIN’S NIGHTMARE eine Nominierung für den besten Dokumentarfilm. Der größte Publikumserfolg der jüngeren Vergangenheit war ebenfalls ein Dokumentarfilm. WE FEED THE WORLD, Erwin Wagenhofer’s Aufdeckung der absurden Ausmaße moderner Lebensmittelproduktion wurde zum erfolgreichsten österreichischen Dokumentarfilm seit Beginn der statistischen Erfassung und lockte im deutschsprachigen Raum rund 600.000 Zuseher in die Kinos. Auch Erwin Wagenhofers neuer Film hat beste Chancen ein echter Publikumsmagnet zu werden. In LETS MAKE MONEY folgte er den undurchsichtigen Wegen des Kapitals im globalen Finanzsystem. Mit dem Thema traf er abermals haarscharf den Nerv der Zeit, denn nach dreijähriger Recherche fiel der Kinostart Ende Oktober 2008 genau mit der weltweiten Finanzkrise zusammen. Die Publikumszahlen des Startwochenendes erreichten in Österreich sogar dreimal höhere Werte als jene des bislang größten Publikumsschlagers „We feed the World“.
Anja Salomonowitz´ KURZ ZUVOR IST ES PASSIERT, der mit ungewöhnlichen Erzählmitteln arbeitende Dokumentarfilm zum Thema Frauenhandel, wurde 2007/2008 auf über 50 Festivals eingeladen und erhielt unter anderen Preisen eine Special Mention beim Festival „Cinéma du Réel“ in Paris.
In Österreich gibt es eine lange Tradition für Kurz- und Experimentalfilme, von denen einige zu den Klassikern der Genres gehören. Hervorgehoben sei Peter Tscherkassky, der über lange Jahre Kurzfilme bei den größten Festivals wie in Cannes platzieren konnte. Der breiten Öffentlichkeit bekannt wurde der österreichische Kurzfilm abermals durch eine Oscar-Nominierung, und zwar für Virgil Widrichs Kurzfilm COPYSHOP in der Kategorie „Best Short Film – Live Action“.
Im Fernsehbereich besitzen die Dokumentationen der TV-Serie UNIVERSUM hohes internationales Ansehen. Die seit 1987 bestehende Sendereihe des Österreichischen Rundfunks (ORF) widmet sich auf höchstem Niveau populären Themen der Naturwissenschaften. Für die Sendung arbeitet der ORF in breiter internationaler Kooperationsgemeinschaft mit der renommierten Natural History Unit der englischen BBC, der amerikanischen National Geographic Society sowie mit dem großen französischen Vertrieb "Docstar". Das GENIE DER NATUR (3 x 50 Minuten) gewann 2008 einen Emmy Award für "Best Camera" - eine Auszeichnung, die bist dato kaum ein europäischer Film erhalten hat. Die Miniserie hat sich in über 20 Länder verkauft, von den USA über Russland bis Malaysia.
Österreich beheimatet auch eine äußerst kreative Werbeszene, die in den letzten Jahren mehrere internationale Auszeichnungen erringen konnte. So werden etwa bei den Cannes Lions - dem bedeutendsten Werbefestival der Welt – regelmäßig auch österreichische Werber ausgezeichnet. 2007 schafften es drei Werbespots auf die Shortlist in der Königsdisziplin Film, 2008 gelang zwei Werbespots der Weg bis ins Finale, der Werbeagentur Ogilvy & Mather mit einem Werbefilm für das Rote Kreuz sowie der Agentur Publicis mit einem Spot für das Telekommunikationsunternehmen T-Mobile.